Freitag, 11. Januar 2013

"NTV Ratgeber" -Fonds kosten viel Geld

Sehr geehrte Anleger,

 "Die Gebühren nicht vergessen, fonds kosten viel Geld" - so titelt ein "Ratgeberartikel" von NTV vom heutigen Tag.

Zunächst trifft der Verfasser eine interessante Feststellung: "Aktienfonds bleiben eine gute Wahl. Denn auf lange Sicht bieten sie Anlegern gute Renditechancen. Allerdings dürfen die Kosten nicht vergessen werden. Bei der Suche nach dem richtigen Fonds kommt es nicht nur auf die Rendite an. Auch die Kosten spielen eine wichtige Rolle."

Entschuldigung, aber verstehe ich den Verfasser richtig? Er lobt Fonds als gute Anlage und meint dann, es käme nicht nur auf die Rendite, sondern auch auf die Kosten an. Als kleinen Nachhilfeunterricht für den Verfasser folgendes: Bei Investmentfonds gibt es jeden Tag einen Kurswert, in dem sämtliche Kosten, die der Fonds hat, berücksichtigt werden. Die Kosten sind also im täglichen Rücknahmekurs enthalten. Da das so ist, hat jeder, der einen Fonds kauft, sich nur eine einzige Frage zu stellen. Nämlich die, ob die Rendite des Fonds stimmt. Die Kosten spielen dabei keine Rolle, denn sie sind grundsätzlich in der Rendite, die der Fonds ausweist, enthalten.

Ein Beispiel: Sie finden einen Investmentfonds, dessen Fondsmanagement beispielsweise jedes Jahr in den letzten 10 Jahren eine gleiche Rendite erzielt. Hypothetisch - klar - aber wir nehmen das mal an. Die Rendite, die der Anleger über die letzten 10 Jahre pro Jahr erhalten hat, sind 25% pro Jahr - auch hypothetisch - auch klar... . Sie denken sich, meine Güte, tolle Rendite. Sie fragen also beim Fondsmanagement nach, ob das mit den 25% pro Jahr in den letzten 10 Jahren stimmt. Die Antwort kommt prompt: "Ja - das stimmt". Jetzt fragen Sie nach den Kosten. Das Fondsmanagement sagt: "Vor Kosten verdient der Fonds 50% pro Jahr. Das Management kostet sehr viel Geld, weil ein extrem hoher Aufwand betrieben wird."

Kaufen sie jetzt diesen Fonds nicht, weil er die unglaubliche Kostenrate von 50% auf die tatsächliche Rendite hat oder kaufen Sie den Fonds, weil er Ihnen die traumhafte Rendite von 25% bescheren könnte? Die Kosten sind egal. Was hinten herauskommt, ist entscheidend.

Dann schreibt der Verfasser weiter:"Das erste Mal werden Anleger beim Kauf zur Kasse gebeten. Denn neben dem Preis für die Anteile wird in der Regel ein Ausgabeaufschlag fällig. "Damit wird der Vermittler bezahlt, der den Fonds an den Mann bringt", erklärt Rainer Zuppe von der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest in Berlin. Bei einem Aktienfonds betrage der Aufschlag in der Regel etwa fünf Prozent des Kaufpreises, wenn der Anleger seine Anteile über eine Bank mit einem Filialnetz erstehe. Günstiger werde es, wenn er direkt an der Börse handelt oder über eine Direktbank geht, also eine nur im Internet vertretene Institution."

Diese Aussage ist schlicht weg falsch, weil nicht vollständig. Finanztest...oh je... . Ich kann das deshalb so gut beurteilen, weil ich nicht im Internet versteckelt bin, sondern in Fleich und Blut vor meinen Kunden sitze und den Ausgabeaufschlag - wenn mir möglich und das ist fast immer so - komplett auf 0 rabattiere. Die vorherige Aussage wäre also richtig, wenn Sie mit folgendem Satz (der von solchen Schreibern fast immer vergessen wird) ergänzt würde: Die kostengünstigste Alternative kann der Kauf über einen seriösen Investmentberater sein, denn der kann in vielen Fällen den Ausgabeaufschlag rabattieren, denn der Ausgabeaufschlag ist Verhandlungssache.

Dann kommt in dem Artikel der große Auftritt von Herrn Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Jetzt kommt sicher geballtes Investmentknoffhoff, ich bin gespannt. Herr Schaarschmidt "nennt sogar Ausgabenaufschläge bis zu 6,5 Prozent des Kaufpreises. Es gebe aber auch kostengünstigere oder sogar -freie Angebote. Bei der Direktbank seien die Preise niedrig. Allerdings müssten Kunden wissen: "Service gibt es keinen"......Passive Indexfonds seien preiswerter als aktiv gemanagte Fonds. Denn hinter letzteren stehe ein Mitarbeiter, der über die Zusammensetzung des Fonds regelmäßig neu entscheidet."

War mir doch klar, dass jetzt wieder der Indexfonds oder besser als "ETF" bekannt, durch`s Dorf getrieben wird. Also erstens: Bei einem seriösen Investmentberater können Sie optimal über den Ausgabeaufschlag verhandeln und bekommen noch einen persönlichen Service oben drauf! Und zweitens: Indexfonds braucht kein Mensch. Wer nur in einen Index investieren möchte, findet deutlich günstigere Wege als einen Fonds. Und wenn der Fonds nicht besser ist als der Index, dann sollten sie diesen Fonds auch nicht kaufen. Und drittens: Selten steht hinter einem Fonds ein einzelner Mitarbeiter. Lieber Herr Schaarschmidt, fragen Sie doch mal bei der Fondsgesellschaft Carmignac nach, welcher Aufwand betrieben wird, um einen Aktienfonds wie den "Carmignac Investissement" zu managen. Falls Sie den Fonds nicht kennen, hier der Vergleich zum Index in den letzten 10 Jahren:


carmignac investissement


Aber die Leser vom NTV Ratgeber würden den Fonds ja nicht gekauft haben, weil er zu teuer ist. Ha Ha! Jeder einzelne Euro an Gebühren waren (und sind) bei diesem Fonds gut angelegt!

Und zum Schluss werde ich wieder milde gestimmt: Denn da heißt es in diesem lustigen Artikel: "Insgesamt gilt: "Die Rendite nach Kosten vor Steuern, die sollte jeder Käufer kennen", sagt Bockholt." Genau, meint Investmentberater Tobias Vonderau. Und dieser Satz hätte in dem Artikel gereicht, also nur dieser Satz. Aber dann wäre es ja kein Artikel mehr.
Was lernen wir daraus? So mancher Artikel ist einfach überflüssig.
Fulda, 11.01.2013
Ihr Tobias Vonderau
© _vonderau Investmentberatung. Bitte beachten Sie bei allen Anlageüberlegungen unsere Risikohinweise!